Fortsetzung:

Der gewaltige Rechteckbau (Außenmaße 45,50 m auf 22,90 m, Traufhöhe 25 m und Firsthöhe 26,70 m) erhielt zur damaligen Post- und heutigen Bahnhofstraße einen mit wenigen architektonischen Elementen als Säulenhalle gestalteten sogenannten Portikus. Die östliche und westliche Längsseite wurde mit Arkadenbögen gegliedert. Es sollte der Eindruck entstehen, als handle es sich um einen antiken Tempel mit einem riesigen Walmdach.
Der große und weite Kirchensaal wurde rundum von einem geschlossenen Säulenumgang beherrscht. 16 mächtige Säulen bildeten zusammen mit vier an die Stirnwand aufgesetzten Pilastern den einzigen architektonischen Schmuck. Für die große Gemeinde wurden zwischen die Säulenreihen und den Wänden zwei übereinanderliegende Emporen eingespannt. Mit ihren durch Palmblätter geschmückten Kapitellen erinnern die Säulen an altägyptische Formen, die einst auch den Tempel in Jerusalem in Erinnerung an die ägyptische Gefangenschaft des Volkes Israel stilistisch beeinflusst haben sollen. Über den Klassizismus (Griechenland und Rom) weist nun also die stilistisch-theologische Linie bis hin zum himmlischen Jerusalem mit seinen zwölf Toren, welche durch die zwölf Türen der Kirche symbolisiert werden. Nicht umsonst trägt also die Münze, die zur Einweihung 1817 geprägt wurde, die Aufschrift: "Templum Tuttlingense" .
 
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