Fortsetzung: Klassizismus im Jugendstilkleid

Nur das geübte Auge erblickt unter dem neuen Gewand, das die Kirche 100 Jahre nach dem Stadtbrand von 1803 erhielt, noch die klassizistischen Formen. Pflanzen und Blüten in vielfältigen Formen, in der damals neu entdeckten Technik des Zementgusses gefertigt, zieren die Portale und umrahmen die Fenster. Die graue und als ärmlich empfundene Außenhaut der Kirche wurde reichlich gegliedert und vielfarbig ausgeführt.
Auch die Vorderfront wurde neu und repräsentativ gestaltet. Der zur Straße sich neigende Walm wurde entfernt und eine hohe Fassade bis zum First hochgezogen. Auch diese Fassade erhielt ihren Schmuck im Jugendstil. Sie wird beherrscht von fünf überlebensgroßen Statuen. In der Mitte stehen die beiden Evangelisten: links Matthäus mit der ihm zugehörigen Symbolfigur eines Menschen und rechts Johannes, zu erkennen an der Symbolfigur des Adlers; umrahmt sind beide von den Namenspatronen der früheren Kirche: Petrus (mit Schlüssel) und Paulus (mit einem Schwert). Über den vier Gestalten erhebt sich Christus. Die Figuren - vor allem die Christusfigur - (deren Modelle im Innern der Kirche zu finden sind - gefertigt von den Stuttgarter Künstlern Lindenberger und Rühle und dem Tuttlinger Bildhauer Teufel) erinnern an die Kunstauffassung des dänischen Bildhauers Thorwaldsen, dessen Werke vom romantischen Klassizismus wie auch von den Nazarenern geprägt sind.
 
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