Das 30-köpfige Besetzungsgremium hat den 48 jährigen Theologen und Kirchenrat zum neuen Dekan gewählt. Berghaus übernimmt damit die Verantwortung für Bezirk, zu dem knapp 60000 evangelische Gemeindegliedern in 25 Kirchengemeinden gehören.
Sebastian Berghaus ist in Wuppertal-Elberfeld geboren, hat in seiner Heimatstadt und in Heidelberg evangelische Theologie studiert. Er war Vikar in Calw-Altburg, unständiger Pfarrer in Monakam-Unterhaugstett und Gemeindepfarrer in Waldenbuch, bevor er 2006 Verantwortung als Landespolizeipfarrer übernahm. Berghaus wird sein neues Amt vermutlich im September antreten. Er ist verheiratet mit der Pfarrerin Karin Berghaus. Zusammen haben sie zwei Kinder.
Als Polizeiseelsorger begleitet Berghaus derzeit noch Einsätze der Polizei oder von Sonderkommissionen. Er erteilt berufsethischen Unterricht an den Polizeischulen, an der Hochschule und der Akademie der Polizei. Mitarbeiter der Polizei und ihre Angehörigen wenden sich an die Polizeipfarrer und suchen den Schutzraum der Polizeiseelsorge, wenn ihnen Schreckliches widerfährt, auch wenn es untereinander Probleme gibt.
Berghaus ist auf Landesebene verantwortlich für die gesamte Notfallseelsorge und hatte die leitende Koordinationsaufgabe im Anschluss an den Amoklauf in Winnenden.
Seine Motivation als Pfarrer in der Polizeiarbeit beschreibt Berghaus so: „Ich möchte Menschen in der Polizei dabei helfen, die harten Arbeitsbedingungen zu verkraften und einen Beitrag zur psychischen und ethischen Stabilität der Einzelnen leisten. Darüber hinaus unterstützt er Polizisten, die oft an den Grenzen des Lebens und an ihren eigenen Grenzen arbeiten. Sein Interesse und seine Gabe wahrzunehmen und zu würdigen „was sie tun“, wird ihm als Dekan bei Gemeindevisitationen und als Vorgesetzter aller Mitarbeitenden im Kirchenbezirk auf jeden Fall dienlich sein.

Frank Teufel, Steinmetz/Bildhauer und Kirchengemeinderat der Stadtkirchengemeinde (links) überreicht dem Amsterdamer Josef Snep einem der letzten Überlebenden des Straf-kommandos „Schuhläufer“ bei einer Veranstaltung von Stiefels Buchladen und „Horizonte“ (Evang. Erwachsenenbildung) am 27.Januar 2012 im Evang. Gemeindehaus eine Skulptur, als Dank für seine eindrückliche und authentische Erzählung über seine Erfahrungen unter der Nazi-Herrschaft und als Schuh(-test)läufer für deutsche Schuhfirmen im KZ Sachsenhausen.
Mehr als 250 BesucherInnen hatten dem 90jährigen Zeitzeugen im großen Saal des Gemeindehauses über eine gute Stunde gebannt zugehört. Die wenigsten hatten je davon gehört, dass KZ-Häftlinge auch als Testläufer für Schuhe eingesetzt wurden, die in den deutschen Schuhfabriken entwickelt worden waren. (Noch wenig bekannt und erforscht ist, wie etwa die Tuttlinger Schuhindustrie involviert war.) 45km mussten die Häftlinge am Tag laufen. Wer zusammenbrach, wurde weggekarrt und tauchte nicht wieder auf. Snep, der erst Jahrzehnte nach diesen Erfahrungen darüber reden und erzählen konnte, machte einmal mehr deutlich wie wichtig das Erinnern „Wider das Vergessen“ ist und wie aufklärend und nachhaltig solch persönlichen und authentischen Erzählungen wirken können. Immer wieder betonte Snep, welch übergroßes Glück er hatte, dass er als mehrfacher Turnmeister auch dank seiner körperlichen und sportlichen Fitness überleben konnte. Heute vor Deutschen von seinen schlimmen Erfahrungen erzählen zu können, so Snep, den Christoph „Stiefel“ Manz nach Tuttlingen einladen konnte, sieht er als eine wichtige pädagogische Aufgabe an, die ihn sehr erfülle.
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Raff sorgt für zahlreiche Lacher – Margot Käßmann kommt 2012 nach Tuttlingen
Der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus stand im Mittelpunkt des 7. ökumenischen Neujahrsempfangs im Landkreis Tuttlingen. Dekan Frank Morlock sprach zunächst den Neujahrssegen, Psalm 121, 1-3, für die über 300 Gäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft. Den vielen ehrenamtlichen Helfern und den Hauptamtlichen dankte er für deren engagierte Arbeit im vergangenen Jahr, auch gerade im Bereich der Ökumene. Das größte ökumenische Ereignis im vergangenen Jahr sei die Eröffnung des Hospizes in Spaichingen gewesen. Das Treffen sollte die Gelegenheit geben „noch stärker miteinander ins Gespräch zu kommen, über die Grenzen der Kirche und der Gemeinde hinaus“.
Der Landeskundler und Dialektautor Dr. Gerhard Raff aus Degerloch traf mit seinem ausführlichen geschichtlichen Streifzug durch die badisch-württembergischen Beziehungen beim Humor des Publikums ins Schwarze. Sein Buch „Die Gschicht vom Mose on de zehn Gebot“ mit Zeichnungen von Dieter Groß und Bernd Stotz fand im Anschluss an den offiziellen Teil reißenden Absatz. Der Erlös geht zu 100 Prozent an das Spaichinger Hospiz.
Dekan Matthias Koschar dankte dem Landeskundler für seine unterhaltsame Art, Geschichte zu vermitteln und überreichte eine große Tasche mit Dingen „die man für das tägliche Leben gut gebrauchen“ könne. Helmut Brand und Bernard Sanders umrahmten das Programm musikalisch vierhändig am Flügel.
Beim Stehempfang fand im Anschluss ein reger Austausch bei belegten Broten, evangelischem Stifungswein und katholischem „Gottes-Segen-Sekt“ statt.
Unter den 300 Gästen waren zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche der evangelischen und katholischen Kirche sowie der evangelisch-methodistischen und der freikirchlichen Gemeinde der Baptisten, ein Abgesandter der Landessynode, Gäste aus Politik wie CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder MdB, der Bundestagsabgeordnete Ernst Burgbacher (FDP), Landtagspräsident Guido Wolf, der erste Bürgermeister Fritz Buschle und Bürgermeister Willi Kamm, Schulen, Behörden und Förderer wie Michael Ungethüm waren der Einladung gefolgt.
Das ökumenische Kirchenjahr 2012
Die Ökumene in Tuttlingen erlebt 2012 „eine Zäsur“, da durch sein Ausscheiden „14 Jahre gute Zusammenarbeit“, so Dekan Morlock, zwischen ihm und Dekan Koschar zu Ende gingen. So wird es dieses Jahr keinen ökumenischen Kirchentag geben. Dieser sei für 2014 angedacht. Neben Dauerprojekten wie dem Trauercafé stehen für dieses Jahr dennoch schon einige Veranstaltungen fest. Das Leitthema des Jahres lautet „Abschied nehmen in Würde“.
Am Karfreitag wird Landesbischof Otfried July bei einem Gottesdienst in der Stadtkirche mitwirken und im Anschluss das Hospiz in Spaichingen besuchen.
Der Mai bringt gleich zwei Ereignisse. Am 6. Mai wird Dekan Frank Morlock bei einem Kantatengottesdienst in der Stadtkirche verabschiedet. Am 11. Mai findet ein Abend der offenen Kirchen in Tuttlingen statt.
Am 15. Juni gastieren Pater Anselm Grün und Hans-Jürgen Hufeisen mit der Konzertmeditation „Du bist ein Segen“ in der Stadthalle.
Im November veranstaltet der Ostergartenverein die Ausstellung „Hoffung für die letzte Reise“ für alle Sinne im alten Krematorium.
Am 4. Dezember wird Margot Käßmann mit Hans-Jürgen Hufeisen eine Konzertlesung in der Stadthalle halten.
Mit einer Atempause auf dem Weihnachtsmarkt klingt das ökumenische Kirchenjahr 2012 aus.